Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV)

 

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Vortrag auf dem Symposium der Unfallforschung der Versicherer am 22. November 2011

Nachstehend finden Sie den Beitrag des GFUV anläßlich der oben geannten Veranstaltung. Mehr dazu  unter (1.1 MB)

[dbsv-direkt] Nr. 24-11 voreilige Entwarnung beim Thema "Flüsterautos"

Liebe Leserinnen und Leser,

im Januar hat der DBSV in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass elektrisch betriebene Autos bei geringer Geschwindigkeit kaum zu hören sind und deshalb für blinde Menschen ein Sicherheitsrisiko darstellen (vergleiche www.dbsv.org/presse/pressemitteilungen/2011/fluesterautos). Seit Anfang dieser Woche ist nun in diversen Medien zu lesen, dass Elektroautos für Blinde nicht gefährlicher seien als normale Benziner. Wie passt das zusammen?

Die aktuellen Meldungen basieren auf einer Studie des Center of Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen. Das Institut hat Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren und Elektroantrieben an Testpersonen vorbeifahren lassen - nur leider in einer verkehrsberuhigten Umgebung und mit einer zu hohen Geschwindigkeit von 30 km/h. Elektrisch betriebene Autos sind aber besonders leise, und damit besonders problematisch für Blinde, beim Ein- und Ausparken, beim Anfahren und bei einer Geschwindigkeit von beispielsweise 15 km/h. Dies hat das renommierte Fraunhofer-Institut Anfang Juni in einem Praxistest bestätigt.

"Das CAR hat am Kern des Problems vorbeigeforscht", fasst DBSV-Präsidentin Renate Reymann die Situation zusammen. Bleibt zu hoffen, dass nach den Medien nicht auch noch die Autoindustrie und die Politik auf die voreilige Entwarnung hereinfallen.

 

DBSV Workshop zu Fragen der E-Mobilität

Der Deutsche Blinden und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV) hat beim Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit ( www.barrierefreiheit.de ) ein Projekt zum Thema E-Fahrzeuge bewilligt bekommen. Projektziel war sowohl die Analyse eines Gefährdungspotentials für sensorisch behinderte Menschen, Kinder und ältere Menschen durch neue Technologien im Fahrzeugbau wie z.B. elektrisch betriebene Kraftfahrzeuge und Fahrräder sowie die immer populärer werdenden Elektroroller „Segways“ wie auch eine gemeinsame Suche nach technischen Lösungen zur Minderung dieses Gefahrenmoments im öffentlichen Straßenverkehr.

Für blinde und sehbehinderte Menschen stellen die Einführung oben beschriebener geräuscharmer Technologien und damit einhergehende Entwicklungen im Straßenverkehr  - und wie beim Beispiel der „Segways“ zunehmend feststellbar auch im Fußgängerverkehr - eine große Herausforderung dar. Derartige elektrisch betriebene Fahrzeuge können aufgrund ihrer fast geräuschlosen Fortbewegung nicht rechtzeitig wahrgenommen und daher ihre Entfernung und Richtung nicht richtig eingeschätzt werden. Hinzu kommen weiterhin Neuentwicklungen in der Herstellung von Autoreifen, auch sie werden zunehmend umweltfreundlicher im Sinne einer geringeren Geräuschbelastung anderer Verkehrsteilnehmer. Die genannten Faktoren tragen dazu bei, dass der zukünftige Straßenverkehr für sensorisch behinderte Menschen und in Anbetracht der umgedrehten Bevölkerungspyramide auch für ältere Menschen immer gefährlicher, weil nicht mehr rechtzeitig akustisch wahrnehmbar, wird.

Ziel dieses Projektes war es, aufgrund dieses Wahrnehmungsverlustes gemeinsam mit Entwicklern solcher Technologien und Herstellerfirmen nach Lösungen zu suchen, die Gefährdungen durch konstruktive Lösungen – wie rechtzeitiges automatisches Abbremsen bei entstehenden Gefahrensituationen – zu vermindern. Überzeugende und sichere Lösungen dafür gibt es beispielsweise bereits bei führerlos fahrenden U-Bahnzügen in Nürnberg.

Ein weiteres Ziel war die Kontaktaufnahme zu Forschungsgesellschaften und -einrichtungen, die sich bereits intensiv damit beschäftigen, um die spezifische Thematik der beschrieben Gruppen und systembedingter Probleme der E-Fahrzeuge von Anfang an mit ins Spiel zu bringen.

Aus diesem Grund fand ein Workshop betroffener Behindertenverbände unter Hinzuziehung von Vertretern einschlägiger Forschungsprojekte, Vertretern der Fahrzeugindustrie und weitere Gremien , die sich bereits intensiv aus unterschiedlichsten Gründen mit diesem Thema befassen,  am 25. und 26. Januar 2011 im Hotel Sylter Hof Berlin statt.

Folgende Papiere können Sie dazu downloaden:

Unter dem folgenden Links finden Sie Video- und Hörbeispiele von Tests mit E-Fahrzeugen des CAR der Universität Duisburg Essen und einen Bericht des WDR:  Sicherheit im Straßenverkehr - Geräuschwahrnehmung von Elektroautos

 

 

Am 06.04.2010 hat die Präsidentin des DBSV, Renate Reymann, an die Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Brief zum Them E-Autos und den Bedenken blinder und sebehinderter Menschen in diesem Zusammenhang geschrieben. Den Text finden Sie  hier (44 KB)


„Lautlose“ Mobilität und Verkehrssicherheit -
Elektro-/Hybrid- und andere geräuscharme Fahrzeuge aus der Sicht von blinden und sehbehinderten Menschen

Der DBSV Verwaltungsrat hat auf seiner Tagung am 23.10.2009  folgendes beschlossen:

Der DBSV Verwaltungsrat ist besorgt über die um sich greifende Idee und deren bereits heute schon feststellbare Umsetzung, geräuscharme bzw. annähernd geräuschlose Fahrzeuge in eine serienmäßige Produktion zu überführen.

Durch geräuscharme Fahrzeuge wird die Teilnahme blinder und sehbehinderter sowie auch jüngerer und älterer Menschen am öffentlichen Straßenverkehr immer gefährlicher und unberechenbarer.

Der DBSV appelliert an Forschungseinrichtungen Wirtschaftunternehmen und Behörden, bei der Einführung dieser innovativen Technik, benachteiligte Personengruppen nicht außer Acht zu lassen und deren Bedenken wie auch Vorschläge sehr ernst zu nehmen.

Der DBSV-Verwaltungsrat unterstützt das vorliegende EBU- Papier “STUMME” AUTOS UND FUßGÄNGERSICHERHEIT (SILENT CARS AND PEDESTRIAN SAFETY)  Anlage 1 (167 KB)

Der DBSV-Verwaltungsrat bittet den Gemeinsamen Fachausschuss für Umwelt und Verkehr (GFUV), die bereits begonnenen Gespräche zu diesem Thema intensiv fortzuführen und mit Forschungseinrichtungen, Produzenten, Unfallversichern und weiteren einschlägig Beteiligten sowie Vertretern anderer Behindertenverbände nach einvernehmlichen, tragenden Lösungen zu suchen und ein entsprechendes wissenschaftlich fundiertes und objektivierten Anforderungsprofils von blinden und sehbehinderten Menschen an die „lautlose Mobilität“ der nahen Zukunft zu erarbeiten.

Begründung:

(erarbeitet von Michael Klingler/GFUV)

Seit einigen Jahren geht der Trend im Fahrzeugbau immer stärker weg vom Benzin-/ Dieselverbrennungsmotor hin zu alternativen Antriebssystemen. Dabei wird etwa auf Erdgas, Wasserstoff oder Elektroantriebe gesetzt. Bis diese in Ihrer Leistungsfähigkeit, Betriebssicherheit, Reichweite und ihrem Komfort den heute üblichen Fahrzeugstandard erreicht haben, sind auch „Mischformen“ wie etwa ein Elektromotor in Kombination mit einem herkömmlichen Verbrennungsmotor im Angebot (sog. Hybridelektrofahrzeuge, Hybridfahrzeuge oder Hybridautos).

Praktisch alle deutschen politischen Parteien haben – mit unterschiedlichen Begründungen - im Vorfeld der Bundestagswahlen 2009 in ihren Programmen die staatliche Förderung solcher „alternativen“ Antriebskonzepte in Aussicht gestellt. Auch die Bundesregierung hat erklärt, künftig recht ansehnliche Beträge zur Erforschung und zur raschen Vermarktung solcher Fahrzeuge bereitstellen zu wollen.

Den vermeintlichen Vorteilen solcher „neuen“ Antriebsformen wie etwa geringere Abgasemissionen, bessere CO2-Bilanz, geringere Geräuschentwicklung oder dem Entrinnen überhöhter Kraftstoffpreisen steht die Verkehrssicherheit gegenüber.

Hybrid- und Elektrofahrzeuge werden bei hohem Leistungsbedarf, etwa bei großen Geschwindigkeiten, überwiegend mit Benzinmotoren betrieben. Bei Leerlauf und niedrigem Leistungsbedarf/Geschwindigkeiten schalten sie auf einen praktisch lautlos arbeitenden Elektromotor um. Hierbei sind Verletzungen oder womöglich lebensbedrohende Gefahrensituationen für alle, die sich im Wesentlichen bei der Einschätzung, ob beispielsweise die Querung einer Straße sicher möglich ist, auf ihr Gehör verlassen müssen, nicht von vornherein von der Hand zu weisen. Auch andere Fußgänger wie z.B. kleine Kinder, Senioren, kognitiv eingeschränkte oder unachtsam gehende Menschen haben somit ein erhöhtes Risiko zu tragen. Beim gegenwärtigen Stand der Entwicklung entsprechen Hybrid- und Elektrofahrzeuge nicht vollständig den Grundsätzen des „Designs für alle“.

Wie ihre sehenden Mitfußgänger haben jedoch auch blinde und sehbehinderte Menschen ein Recht darauf, sicher und selbständig zum Arbeitsplatz, zur Schule und zu anderen Orten der Gemeinschaft zu gelangen. Ergebnisse von wissenschaftlichen Untersuchungen an der Universität von Kalifornien machen deutlich, dass dieses Recht bedroht ist, da Hybridfahrzeuge, um über das Gehör präzise geortet werden zu können, 60 Prozent näher am Fußgänger herankommen müssen als herkömmliche Fahrzeuge. Während Tests war ein elektrisch betriebener Hybridmittelklassewagen so lange nicht hörbar, bis er sich auf eine Entfernung von 3,30 m an die unter Augenbinde arbeitenden Testpersonen annäherte. 

Es muss ein ausgewogener Ansatz gefunden werden, der die Sicherheit aller Fußgänger bei gleichzeitiger Verminderung der Lärmbelästigung bewahrt sowie die Vorteile der „neuen“ Antriebskonzepte nicht kontakariert. Dies müssen nicht unbedingt technisch oder konstruktiv aufwendige Lösungen sein, damit sie auch zur Wirtschaftlichkeit dieser Fahrzeuggattungen beitragen können.

Der „Gemeinsame Fachausschuss für Umwelt und Verkehr (GFUV)“ begrüßt im Einklang mit der Europäischen Blindenunion die (Weiter-)Entwicklung alternativ angetriebener Fahrzeuge. Im gleichen Atemzug ist es jedoch auch unumgänglich, dass weitere Forschungen durchgeführt werden müssen, um die Sicherheitsfolgen für Fußgänger umfassend zu untersuchen und angemessene Lösungen gründlich zu erarbeiten. Die Förderung sicherer Fahrpraktiken, wie z.B. Fahren mit situationsangemessener Geschwindigkeit und die gesteigerte Beachtung des Fußgängerverkehrs ist zudem heute wichtiger als jemals zuvor. Die Herausforderung lautet jetzt, eine Technologie zu identifizieren, die gleichzeitig innovativ und sicher für alle Verkehrsteilnehmer - insbesondere für Fußgänger - ist und allen zum Vorteil gereicht.

Mögliche Eckpunkte und Maßnahmen sind:

  1. Hybrid- und Elektrofahrzeuge sind nur dann vorteilhaft, wenn sie neben allen möglichen anderen Merkmalen gleichzeitig keine Gefahr für die Sicherheit darstellen, weil sie durch das Gehör nicht zu erkennen sind.
  2. Die Sicherheitsrisiken betreffen eine Vielzahl von Fußgängern: blinde und sehbehinderte Menschen, einschließlich solche mit Hörbehinderung, Personen mit anderen Behinderungen, kleine Kinder, ältere Menschen, kognitiv eingeschränkte und unachtsame Fußgänger.
  3. Zum Kreis der betroffenen Verkehrsmittel gehören neben Personen- und Lastkraftwagen auch Fahrräder mit Elektroantrieb oder auch die so genannten Segways.
  4. Die bisherige Forschung zeigt zweifelsfrei, dass das Recht blinder und sehbehinderter Menschen auf sichere und selbständige Mobilität durch solche „lautlosen“ Verkehrsmittel bedroht ist.  
  5. Ein ausgewogener Ansatz zur Gewährleistung der Sicherheit aller Fußgänger und Verminderung der Lärmbelästigung könnte dann erreicht werden, wenn  Hybrid- und Elektrofahrzeuge ein Geräusch erzeugen, das deutlich unterhalb der Schwelle des normalen Lärms liegt, aber dennoch deutlich vernehmbar ist.
  6. Die Designforschung prüft gegenwärtig den Einsatz von kostengünstigen Low-Tech-Lösungen. Diese werden an bestehenden Fahrzeugtypen getestet und müssen ihre Tauglichkeit erst noch unter Beweis stellen.
  7. Es ist zwingend erforderlich, dass weitere Forschungen neben der oben genannten Ansätze auch darüber hinausgehende oder andere Lösungsrichtungen untersucht, um diese Thematik anzusprechen und um zu gewährleisten, dass innovative und leise Fahrzeuge gleichzeitig sicher für alle Fußgänger sind.
  8. Insbesondere gilt es herauszufinden, ob objektiv bei Abgabe eines Geräuschs, das weit unterhalb der Schwelle des normalen Lärms liegt, aber dennoch deutlich vernehmbar ist, Hybrid- und Elektrofahrzeuge besser erkennen lässt.
  9. Bei allen Forschungen dürfen nicht ausschließlich Messwerte unter „Laborbedingungen“ ausgezeichnet werden, sondern Erkenntnis im realen Verkehrsgeschehen gewonnen werden. Hierbei ist insbesondere dem Umstand Rechnung zu tragen, dass in den nächsten Jahrzehnten parallel leise neben lauten Fahrzeugen am Straßenverkehr teilnehmen; die leisen werden somit noch schwieriger erkennbar sein als wenn nur geräuschreduzierte Fahrzeuge unterwegs sind.
  10. Zur Realisierung dieses Forschungsbedarfs sollten Kontakte geknüpft werden u.a. zu:
  • Verbände der Automobil- und Zulieferhersteller
  • Einzelnen Unternehmen aus dem Bereich der Automobilhersteller und Zulieferer
  • politisch Verantwortlichen (z.B. Bundesregierung)
  • Interessensverbänden im Verkehrsbereich (z.B. ADAC, VCD)
  • Lehrstühlen an Hochschulen, deren Forschungsschwerpunkte in diesem Themenbereich liegen
  • Verband der Autoversicherungen und/oder einzelner Versicherungsunternehmen
  • Städte- und Gemeindeverbände

Ziel all dieser Bemühungen des GFUV ist die Erstellung eines wissenschaftlich fundierten und objektivierten Anforderungsprofils von blinden und sehbehinderten Menschen an die „lautlose Mobilität“ der nahen Zukunft.

 

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